Läuteordnung der Schalkstetter Veitskirche

Läuteordnung

der Evangelischen Veitskirche Schalkstetten

Grundsätzliches: 

Die Glocken rufen in erster Reihe in das Gotteshaus zum Hören des Wortes Gottes und zur Feier der heiligen Sakramente. Im Alltag erinnern die Glocken an das Gebet (Lob und Dank), auch während der Arbeit (bete und arbeite). Das Glockengeläut steht als ein Stück geistlicher Musik. Die Kirchenglocke darf nicht zur Menschenehrung dienen (außer in genau festgelegten Ausnahmen) 

Die Veitskirche hat vier Glocken; in dieser Zusammensetzung seit 1961. 

I. Die liturgische Bedeutung der einzelnen Glocken: 

Glocke 1  - die Sonntags- und Festtagsglocke

Sie erinnert mit ihrem Läuten an Christi Auferstehung. 

Glocke 2 –  die Betglocke

Die Betglocke läutet bei Tagesanbruch 6 Uhr und zum Mittag 12 Uhr und zum Abend (Vesperläuten) 18 Uhr

sowie im Gottesdienst beim „Vater unser“-Gebet.

Glocke 3 – die Kreuzglocke

Die Kreuzglocke läutet zu den Stunden, die nach der biblischen Überlieferung mit dem Sterben Jesu am Kreuz verbunden sind: 9 Uhr (Kreuzigung) (läutet nur, wenn ein Gemeindeglied verstorben ist, am folgenden Tag als Schiedglocke (Sie heißt die Gemeinde betend des Verstorbenen und seiner Angehörigen gedenken und mahnt an die eigene Sterbestunde (5 Minuten)), 11 Uhr (hereinbrechende Finsternis), 15 Uhr (Todesstunde)

Glocke 4 – die Taufglocke

Die Taufglocke wird nur bei der Taufe alleine geläutet. Mit ihrem Läuten begleitet sie den Taufakt im Gottesdienst und ruft damit die Zuhause gebliebenen Gemeindeglieder zur Fürbitte für den Täufling.

II. Das Zusammenläuten zum Gottesdienst 

Zum Hauptgottesdienst an Sonn- und Festtagen läuten alle Glocken. Das Zusammenläuten (nicht erst das Orgelvorspiel) ist die erste liturgische Handlung des Gottesdienstes, dabei versammelt sich die Gemeinde. Die einen verrichten am Platz ein stilles Gebet, begrüßen die Nachbarn und haben Zeit zur Einstellung und Besinnung auf den Gottesdienst. 

Zusammengeläutet wird darum erst nach dem Uhrschlag und nicht vorher. Dauer des Zusammenläutens ist ca. „eine halbe Viertelstunde“ (7,5 Minuten).

Beim Zusammenläuten beginnt immer zuerst die kleineste Glocke zu läuten, also in Reihenfolge: Glocken 4, 3, 2, 1 

III. Die tägliche Läuteordnung von Montag bis Samstag 

  6:01 Uhr – Glocke 2 – Dauer 3 min

11:01 Uhr – Glocke 3 – Dauer 3 min

12:01 Uhr – Glocke 2 – Dauer 3 min

15:01 Uhr – Glocke 3 – Dauer 3 min

18:01 Uhr – Glocke 2 – Dauer 3 min

20:01 Uhr – Glocke 2 – Dauer 3 min (nur während der „Sommerzeit“)

IV. Die sonntägliche Läuteordnung 

Für den Gottesdienst auch bei Trauungen, Beerdigungen, Goldene Hochzeit und anderen Gottesdiensten; auch bei katholischen Beerdigungen wird auf Anfrage geläutet.

1. Vorläuten: 1 Stunde vor Gottesdienstbeginn mit 3. Glocke – Dauer 3 min

2. Vorläuten: ½ Stunde vor Gottesdienstbeginn mit der 2. Glocke – Dauer 3 min

Zusammenläuten: nach dem Schlagen – Glocken 4, 3, 2, 1 – Dauer 7,5 min

V. Von der „normalen“ Läuteordnung abweichende Einstellungen 

Feiertage mit Gottesdienst:

An Feiertagen – die nicht auf einen Sonntag fallen - wird das tägliche Läuten auf das sonntägliche Läuten umgestellt:

1. und 2. Weihnachtstag, 1. Januar – Neujahr, 6. Januar – Epiphanias, Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrtstag und Pfingstmontag

Beim Karfreitag besteht die Besonderheit, dass die Glocken nur zum Gottesdienst läuten, danach schweigen die Glocken bis zum Ostersonntagsgottesdienst.(Es wird wie üblich vorgeläutet. Allerdings wird um 15 Uhr (Todesstunde) mit der 3. Glocke geläutet).

Katholische und weltliche Feiertage ohne Gottesdienst:

Neujahr, 1. Mai, Fronleichnam, 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit), 

1. November (Allerheiligen)

An diesen Feiertagen wird auf das sonntägliche Läuten umgestellt.

Sonderläuten:

Stirbt ein Gemeindeglied auswärts, so wird beim Einholen des Sargs in die Gemeinde mit der 2. und 3. Glocke geläutet.

Silvesternacht:   

00:01 Uhr – Glocken 4, 3, 2, 1 – Dauer 7,5 min 

VI. a) Einläuten des Sonntags

Der Sonntag wird am Samstag eingeläutet - um 18 Uhr – Dauer 7,5 Minuten, Glocke 3. (Das 18 Uhr Läuten mit Glocke 2 entfällt somit, ebenso das 20 Uhr Läuten mit Glocke 2.)

b) Einläuten von besonderen Fest- und Feiertagen 

Folgende Sonn- und Feiertage werden am Vortag eingeläutet – um 18.01 Uhr - Dauer 7,5 Minuten, Glocken 4, 3, 2, 1. (Das 18 Uhr Läuten mit Glocke 2 entfällt somit, ebenso das 20 Uhr Läuten mit Glocke 3.)

1. Advent

Erscheinungsfest – 6. Januar

Invokavit

Konfirmation

Palmsonntag

Karfreitag

Himmelfahrtstag

Pfingsten

Trinitatis

Kirchweih

Erntedank

Reformationsfest

Investitur

Ordination

Einführungen KGR

Der Kirchengemeinderat Schalkstetten 

hat diese Läuteordnung am 21. Januar 2014 beschlossen.

Warum läuten eigentlich die Glocken...

Warum läuten die Glocken 

eigentlich auch an Werktagen zu bestimmten Zeiten?

Mit dieser Frage hat sich der Kirchengemeinderat Schalkstetten beschäftigt, als er die „Läuteordnung“ aus dem Jahr 1961 durchging und überarbeitete. (Die jetzt gültige Fassung finden Sie hier.)

 

Klar, immer wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern wird jeweils eine Stunde und eine halbe Stunde vor Beginn vorgeläutet, um damit öffentlich jede und jeden zum Gottesdienst einzuladen. Unmittelbar zum Gottesdienstbeginn wird dann mit allen vier Glocken zusammengeläutet. Unsere Gottesdienste beginnen so gesehen nicht erst mit dem Orgelvorspiel, sondern schon mit dem Zusammenläuten: dabei versammelt sich die Gemeinde. Das Glockengeläut ist also ein Stück geistlicher Musik, das alle zu Besinnung ruft, auch diejenigen, die zuhause geblieben sind.

 

So weit so gut. Aber nochmals zur Ausgangsfrage: Warum läuten die Glocken auch an Werktagen? Und wann läuten sie? Und welche der 4 Glocken, die auf dem Schalkstetter Turm hängen?

 

Da ist die große „Sonntags- und Festtags-Glocke“. Sie erinnert mit ihrem Läuten an Jesu Christi Auferstehung. (1704 wurde sie in Ulm gegossen).

 

Die zweite Glocke (gegossen 1960) ruft mit ihrer Aufschrift zum Gebet: „Seid wach allezeit und betet.“ Die Betglocke läutet bei Tagesanbruch um 6 Uhr und zum Mittag um12 Uhr und zum Abend (Vesperläuten) um 18 Uhr. Das Läuten zu diesen Zeiten lädt also ein zum Mit-Einstimmen in das einfache Tageszeitengebet. Während der „Sommerzeit“ ist dieses noch um das Nachtgebet erweitert: Da läutet die Betglocke noch einmal um 20 Uhr. Das Läuten der Betglocke will uns also uns mit ihrem Ruf und Klang dazu einladen, in unserem Alltagsgeschäft innezuhalten…

So verstanden ist das Läuten unserer Glocken an den Werktagen Ausdruck und Einladung sich in evangelischer Spiritualität zu üben.

Außerdem läutet diese Glocke immer mit, wenn im Gottesdienst die Gemeinde das Vaterunser betet. Sie ruft so alle Zuhausegebliebenen zum Mitbeten auf.

 

Die Taufglocke (unsere kleinste, aber älteste Glocke mit gotischen Majuskeln, zwischen 1350 und 1400) wird als einzelne nur bei der Taufe geläutet. Mit ihrem Läuten begleitet sie den Taufakt im Gottesdienst und ruft zur Fürbitte für den Täufling auf.

 

Des weiteren läutet in Schalkstetten werktags noch um 11 Uhr und um 15 Uhr die Kreuzglocke (1960 gegossen). Sie trägt als Aufschirft das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 28: “Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“

Die Kreuzglocke läutet zu den Stunden, die nach der biblischen Überlieferung mit dem Leiden und Sterben Jesu am Kreuz verbunden sind:

So läutet bei uns immer um 9 Uhr (3. Stunde: Kreuzigung) die Kreuzglocke als Schiedglocke, wenn ein Gemeindeglied verstorben ist. Sie veranlasst die Gemeinde, betend des Verstorbenen und seiner Angehörigen zu gedenken und mahnt an die eigene Sterbestunde.

 

Die Bedeutung des Karfreitags makiert auch das Läuten um 11 Uhr (5. Stunde: „hereinbrechende Finsternis“) und um 15 Uhr (9. Stunde: „Todesstunde Jesu“):

„Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden“ (Römerbrief Kapitel 6,Vers 8).

 

Um die Bedeutung der Karwoche und insbesondere des Karfreitags zu unterstreichen, läutet die Kreuzglocke am Karfreitag um 15 Uhr und erinnert damit an die Todesstunde Jesu. Dann werden die Glocken schweigen. –

Bis dann alle Glocken am Ostermorgen die Frohe Botschaft verkünden: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lukasevangelium Kapitel 24, Vers 6)

 

Pfarrer Holger Platz

 

 

Hinweis: Unter www.kirchenbezirk-geislingen.de/kunst-und-kultur/interessantes-im-kirchenbezirk/die-glocken-unserer-kirchen/

findet sich ein schöner Artikel zu den Glocken im Kirchenbezirk Geislingen von Claus Huber, Glockensachverständiger der Württembergischen Landeskirche:

„Zeichen christlicher Hoffnung - die Glocken unserer Kirchen“